Wonach die Seele sich wirklich sehnt...

Seele, ein Wort das lautmalerisch sich mehr in der Breite auswirkt als in der Höhe.

Die Seele wohnt im Dazwischen, in allem was lebendig ist. Sogar in unbelebten Gegenstände wie einer Geige etwa erwacht sie, wenn sie gefordert wird: als Inneres im Bau der Streichinstrumente überträgt sie den Klang, der durch den Strich des Bogens über die Saite entsteht, auf den unteren Teil des Instruments, der bauchig den Resonanzkörper bildet.

Die Seele will Verbindung schaffen und darüber hinaus gehen.

 Was heißt da „wirklich“? Ist nicht alles was die Seele betrifft wirklich, sozusagen, die erste Wirklichkeit überhaupt, etwas was wir nicht hinterfragen müssen, sondern von dem wir ausgehen können? Was soll da das Fragezeichen? Trotzdem. Es ist angebracht, denn die Frage und ihr Zeichen katapultieren den Leser sogleich in einen anderen Zustand, in dem die Frage ihre Antwort gefunden hat: die Seele schafft ihre Wirklichkeit, indem ihrem Sehnen nachgegeben wird.

Zum Sehnen: Da ist auch wieder das E, das sich ausdehnt und spannt wie eine Sehne, und die Seele erkennt sich wieder in diesem Zustand des Ausgespanntseins. Bleibt es dabei, ohne weiter zu führen, so wird es zur unerlösten Sucht, zur Sehnsucht. Löst sich aber die Anspannung in eine Bewegung auf, dann findet sich ein Weg, mitten im Leben, der im Jetzt beginnt, und neue Horizonte am Rande des Himmels offenbaren sich. 

 Was könnte die Seele aus ihrer Erstarrung locken? Was könnte sie berühren, so dass sie sich erinnert? Licht und Klang. Licht schafft Gefühle, Frühlingsgefühle. Auch vorgestelltes, phantasiertes Licht, das unter der Mitte der Schädeldecke aufblüht, weckt die Seele aus ihrem Winterschlaf. Und Klang. Ein Ton geht durch den Raum, zunächst unhörbar, nicht mehr als ein Gedanke. Dann, während er sich seinen Weg durch die sich wandelnde Stimmung bahnt, schwillt er an, nimmt an Volumen zu, wird zum Einklang, Zusammenklang, ohne einen äußerlichen Laut: die Wirklichkeit ist ein Schwingen der Muster im Raum, der Klang schafft nun neue Verhältnisse, schafft eine neue Ausrichtung, der im Körper alles folgt und sich daran hält, eine neue Orientierung kommt zustande, einfach durch die Ausrichtung im Klang, der Aufrichtung im Licht....die Seele schafft sich ihren Raum, ihr Kraftfeld, indem sie die Erinnerung an ihren Ursprung leben und Gestalt werden lassen kann.

 Nein, der Ursprung liegt nicht lange zurück in der Zeit oder ist räumlich weit entfernt. Er ist im Jetzt zu finden, er offenbart sich im Sprung ins Jetzt, im Quantensprung, der ein Quantenbewusstsein mit sich bringt, so hängt alles zusammen. Aber die Seele ist zuerst zur Stelle, wenn die Sehnsucht zugelassen wird, nicht als romantischer Erzählstoff, sondern als unmittelbarer Sprengstoff, der die Macht der Gewohnheiten zu durchbrechen fähig ist. Die Seele fühlt sich zuhause in der Ekstase, die sie heraushebelt, lüpft, leicht werden lässt, geradezu kindlich, unbefangen, naiv. Daraus ergeben sich keine Geschichten. Die Seele kommt gleich auf den Punkt.  Zum Wesen....Hier hört auch die Sprache auf. Sie wird nicht mehr gebraucht.