War Nietzsche
besessen? Und wenn ja, von welchen Göttern oder Geistern?.....3
Wie dieses Buch zu lesen
ist............................................4
Eine Annäherung im
Tanz................................................5
Nietzsches frohe
Botschaft im Tanz................................9
Getanzte
Praxis...............................................................24
Anhang I: Begriffe und ihre
Geschichte.........................81
·
Urschmerz
..........................................................96
Anhang II: Nietzsche
Zitate.........................................140
Anhang III:
Texte.........................................................146
Anhang IV: Sprüche aus „Die Fröhliche Wissenschaft“,
„Scherz, List und Rache“........164
Anhang V:
Gedichte.....................................................167
Literaturliste.................................................................182
Leseprobe:
War Nietzsche besessen?
Und wenn ja, von welchen Göttern oder Geistern?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir
Nietzsche tanzen als wäre es ein Werk das innerhalb eines Prozesses
seiner Interpretation entsteht, denn Besessenheit ist ein Phänomen körperlicher
Präsenz, in dem das Fremde eine Eigendynamik entwickelt und sich
prozessual nach und nach zeigt, bis es als Ausdrucksgestalt vor Augen
steht – besser: im Nachvollzug die leibhaftig erfahrene Gestalt des
Fremdem sich schließen und als solche erkennen lässt. Wer ist Nietzsche, und können wir heute
nachvollziehen, was ihn damals bewegte? Hilfreich bei dem Selbstversuch
ist die Anleihe bei fremden Kulten, die die Präsenz von Göttern und
Geistern mit den Mitteln der Verkörperung im Tanz zelebrieren. Als Philosophin, aber auch als
Tanztheoretikerin und Tanztherapeutin, gehe ich der Frage nach und meine
die treibenden Kräfte bei Nietzsche in Form von Bewegungsarchetypen
aufgespürt zu haben, so dass sie am eigenen Leibe erlebbar werden -
vorausgesetzt wir wollten wirklich Nietzsche tanzen statt lesen. Wir
erfahren in diesem Selbstversuch dann nicht nur etwas über Nietzsche
und die Art, wie er uns anspricht, wie er uns bewegt, sondern auch die
Besessenheitskulte der afroamerikanischen Traditionen und die Praxis des
Trancetanzes im religiösen Kontext. Wie dieses Buch zu lesen ist
Möchten Sie mehr über Nietzsche und seine Texte
erfahren, oder interessiert Sie vor allem der Aspekt der Besessenheit
bzw. der archetypischen Muster, die eine interkulturelle Verbindung
zwischen einem „Denker auf der Bühne“, wie Sloterdijk Nietzsche in
einem seiner frühen Bücher bezeichnete und den performativen Kulten
einer bis heute praktizierten Religion herstellt? Wenn Sie sich selbst von den Göttern und
Geistern inspirieren lassen wollen, um Nietzsche besser
nachzuvollziehen, dann beginnen Sie in der Mitte des Buches, bei dem
Kapitel „Gottheiten, die im Tanz sich verkörpern“, überblättern
die Theorie und landen direkt bei den fünf hier aufgezählten und
beschriebenen Gottheiten: bei Eshu, dem Trickster, bei Shango, dem
Helden, Sieger und Verlierer in einem, bei dem Klagegott Omulu, bei
Obatala, dem würdigen Alten, und bei Yemanja, Herrin des Meers. Ein geeigneter Einstieg könnte auch das Schmökern
im Anhang sein. Wichtige Begriffe erschließen sich durch ihre
Geschichte und ihre Verwendung im Werk Nietzsches ebenso wie in anderen
Zusammenhängen. Dazu gehören die Stichworte: Übermensch –
Egoismus – Urschmerz – Ekel – Ennui – Ressentiment –
Versöhnung – Wille zur Macht
– Ewige Wiederkunft – Setzung – Hanswurst – Narr –
Popanz – List und Tücke – Trickster.
Jetzt sollten Sie genügend vorbereitet sein für
die ersten Kapitel, die sich stark an Texte von Sloterdijk anlehnen. Sie
werden souverän die Metaphorik verstehen und sich von ihr inspirieren
lassen. Eine Annäherung im Tanz
Ich würde nur an einen Gott glauben,
der zu tanzen verstünde. Nur im Tanz weiß ich der höchsten
Dinge Gleichnis zu reden. Also sprach Nietzsche in seinem Zarathustra.
Dieses Buch beschreibt den Versuch einer Annäherung an Nietzsche mit den Mitteln der performativen Künste, insbesondere der des Tanzes. Es geht darum, den Begriff Aufklärung mit dem eines Dramas zusammenzudenken... denn wenn die dramatische Struktur der Aufklärung bedacht wird – wenn also das rationale Denken seine eigene Ereignishaftigkeit in seine Reflexion aufnimmt.... dann, so schreibt Sloterdijk in seinem Buch „Der Denker auf der Bühne“ ereignet sich Aufklärung als dramatische Selbstaufhellung des Daseins.
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