
| Another Earth Ohne es zu wissen, hat Mike Cahill mit seinem Spielfilmdebüt einen Gegenentwurf zu Lars von Triers' "Melancholia" geschaffen. Am Himmel erscheint eine zweite Erde, die mit der ersten identisch zu sein scheint. Es gibt eine Rahmengeschichte, die die Möglichkeiten von Schuld und Sühne durchspielt und den Science- Fiction- Hintergrund lediglich als Projektionsfläche benutzt. Das Beste sind die Bilder, die zur Endzeitstimmung gut passen. Ende oder Anfang?
Der Film "Melancholia" feierte im Mai 2011 bei den 64. Filmfestspielen von Cannes Premiere seine Premiere. Bei der begleitenden Pressekonferenz kam es zu einem Skandal, als Lars von Trier sagte, er könne sich in Adolf Hitler einfühlen und verstehe die innere Logik seines Handelns. In der Folge wurde Lars von Trier als unerwünscht erklärt. Der Film blieb jedoch im Wettbewerb, und Kirsten Dunst erhielt für ihre Rolle mit Recht als Justine die Silberne Palme für ihre grandiose Darstellung der Melancholikerin. Der Film ist großartig! Anfangs zeigen Trier und sein Kameramann Manuel Alberto Claro einen Reigen aus atemberaubenden Tableaux, darunter auch ein Gemälde von Breughel, die einen Totentanz anstimmen, unterlegt mit dem Prélude aus Wagners "Tristan und Isolde". Man sieht zum ersten Mal den Himmel, in dem zwei Monde gleichzeitig scheinen, und auch das Bild von Justine, einer modernen Cassandra, wie sie von dichten, grauen Wollfäden gefesselt ist und sich nicht fortbewegen kann, man sieht Pferde, die im Morast verenden. Die Bedrohlichkeit des Weltuntergangs überträgt sich später immer mehr akustisch, ab dem letzten Drittel hört man im Hintergrund konstant ein nervöses Pferdewiehern und ein diffuses Wummern verstärkt sich bis zum letzten orgiastischen Augenblick, in dem die Erde von Melancholia überwältigt wird. Nur Justine weiß, was was zu tun ist: Für das erst neugierige und dann ängstliche Kind baut die Tante eine "magische Höhle", in deren improvisierten Gestänge die zwei Schwestern und der Junge, sich an den Händen fassen - der Mann hat sich schon umgebracht. Sicher - eine apokalyptische Vision, aber auch ein Hinweis, wie Humanismus im Anblick des Untergangs gelebt werden kann. Es gäbe auch noch eine andere Sichtweise, die ich bei keiner der (eher ratlosen) Filmrezension erwähnt fand: Der Planet Melancholia steht als Metapher für einen symptomatischen Ich-Zustand, der den ganzen Bewusstseinshorizont einnimmt, so wie der sich annähernde Planet mit seinen der Erde so ähnlichen Blau- und Weißtönen den ganzen Himmel ausfüllt. In der Geste der "Versammlung" angesichts eines verängstigten, allein gelassenen Kindes in der "magischen Höhle" wird die menschliche Fähigkeit zu Verbundenheit und Beziehungskultur exemplifiziert, so dass dieser letzter Eindruck den Lärm des Zusammenbruchs überdauert und einen wesentlichen Akzent im Film setzt.
Tran Anh Hung: NORUWEI NO MORI - NORWEGIAN WOOD (Naokos Lächeln) ,Japan 2010, nach dem gleichnamigen Roman von Haruki Murakami. Kamera: Mark Li Ping Bing. Musik: Jonny Greenwood. Mit: Kenichi Matsuyama, Rinko Kikuchi, Kiko Mizuhara, Reika Kirishima. Irgendwann
fällt der Satz im Off: "Ich habe mich für das Leben
entschieden", und sogleich ist der Bann der absoluten Sinnlosigkeit
ist gebrochen, vorbei der elegische Zauber aussichtsloser Tragik. Doch
die eindrucksvollen Bilder bleiben im Gedächtnis haften, zusammen mit
der meisterhaft komponierten Filmmusik zu einem Kunstwerk verflochten,
Bilder von einzigartiger Schönheit, Gefühlsgestalten wie zu Eis
gefroren. Es gibt einen anderen Schlüsselsatz, gleich zu Anfang, der
das in einzelne Szenen zerfallende Kaleidoskop jugendlicher Liebe wie
eine Klammer umfasst: Demonstrierende Studenten dringen in die Uni ein
und stören eine Vorlesung über Euripides mit der Begründung, es gäbe
wichtigere Probleme als die der griechischen Tragödie, was der
Professor bezweifelt, aber dennoch kopfschüttelnd sein Pult frei macht.
Norwegian Wood ist ein melancholischer Beatles Song, der mit der
Zeile beginnt: I
once had a girl, or should I say, she once had me?.
Wie so oft in der japanischen Literatur herrscht ein fatalistischer
Unteron der Besessenheit vor, der vor allem in den erotischen Szenen
eine unübertroffenen Intensität erzeugt. Der
in Paris lebende Vietnamese Tran Anh Hung (Der
Duft der grünen Papayas 1993)
kreiert
außergewöhnlich
sinnliche Szenen,
die
sich in Bildern verdichten und eine Stimmung der Zeitlosigkeit
schaffen.
Dies
ist
vor allem
auch dem taiwanesischen
Kameramann Mark Lee Ping Bin zu verdanken, der zusammen mit Christopher
Doyle die Bilder von Wong Kar Weis In the Mood for Love gedreht
hat. Hinzu
kommt die Musik
von Johnny Greenwood, der unter anderem die Musik für There
Will Be Blood komponiert hat. Greenwood findet eine Klangsprache,
die nicht einfach zu den Bildern addiert wird, sondern sie ergänzt,
erweitert, so dass ein Gesamtkunstwerk entsteht. Vor allem die Szenen in
den verschneiten Bergen nahe des Sanatoriums, eine japanische Variante
des Zauberbergs, und später bei den Felsenhöhlen am
tosenden Meer, in denen der Protagonist seine tiefste Verzweiflung
durchlebt, sind von unübertroffener Eindringlichkeit. Es dominieren müde Grün- und Brauntöne, die Dunkelheit signalisiert unbekannte Gefahren, auftauchende Lichter könnten alles mögliche bedeuten. Gleich von Anfang an baut sich eine düstere Atmosphäre auf. Meisterhaft versteht es der Sound (Julien Sicart), dort Spannung zu schaffen, wo nichts zu sehen ist. Auf einer Straße donnern Laster vorbei, einer nach dem anderen, jeder für sich ein Ereignis. Sie transportieren Tropenholz zum Hafen. Auf der Straße nach der Hauptstadt Kameruns, Yaounde, sind das Ehepaar Velten mit der Tochter Helen im Auto unterwegs. Sie werden von einer Straßensperre aufgehalten. Die Tochter hat kein Visum vorzuweisen, die Polizisten schlagen Tauschgeschäfte vor. Ebbo Velten (Pierre Bokma) kennt das, er lebt hier schon lange als Arzt und ist verantwortlich für ein Projekt zur Eindämmung der Schlafkrankheit, das mit den Mitteln der Entwicklungshilfe unterstützt wird. Obwohl er in seiner Arbeit aufgeht, möchte seine Frau Vera (Jenny Schily), nach Jahren in Afrika zurück nach Deutschland, wo ihre 14-jährige Tochter zur Schule geht. Zwar scheint der Abschied beschlossene Sache, auch wenn der dubiose Geschäftsmann Gaspard Signac (Hippolyte Girardot), Ebbo dazu überreden will, hier zu bleiben, um ein gemeinsames Tourismus- Projekt zu starten, doch die Bilder und Töne sprechen eine andere Sprache. Ebbo ist mit dem Land verbunden, er liebt den Fluss, er erzählt seltsame Geschichten in denen sich Menschen in Tiere verwandeln, was unter Ethnologen unter dem Begriff der Metamorphose bekannt ist, und man ahnt, dass die Rückkehr nicht glatt ablaufen kann. Dann kommt ein Schnitt, eine Schwarzblende, als wäre der Film zu Ende. Aber nein. Drei Jahre später: Alex Nzila (Jean-Christophe Folly), reist ein junger französischer Arzt mit kongolesischen Wurzeln, im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation nach Yaoundé, um das Schlafkrankheit-Projekt eines gewissen Dr. Velten zu evaluieren. Dort angekommen, verliert er sich in unüberschaubaren Verhältnissen. In dem Spital liegt genau ein Schlafkranhkeit-Patient, von Dr. Velten ist keine Spur, sein Assistenzarzt vertröstet ihn auf den nächsten Tag, auch dann findet sich dieser nicht im Spital ein, und Alex wird mit der Aufgabe konfrontiert, bei einer hochschwangeren jungen Einheimischen, deren Wehen eben eingesetzt haben, einen Kaiserschnitt vorzunehmen. Es ist das Kind, das Velten mit seiner afrikanischen Geliebten gezeugt hat - Velten erscheint als Opfer afrikanischer Familienbündnisse, er muss für alle aufkommen, sie finanzieren, er braucht Geld, und er ist es Leid, all das.... In der Schlussszene kommt es zum rätselhaften Verschwinden des Mannes, an dessen Stelle ein Nashorn aus dem Dschungel tritt. Auch hier entscheidet vor allem die Gestaltung des Tons darüber, dass der Film, mit 91 Minuten keine Sekunde zu lang, mit seinem offenen Ende einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ulrich
Köhler, geb. 1969, studierte Kunst in Quimper und Philosophie in
Hamburg und dann dort Visuelle Kommunikation an der Hochschule für
Bildende Künste. Bekannt wurde er mit seinem zweiten Langfilm
"Montags kommen die Fenster" im Rahmen der Berlinale 2006. Als
Kind von Entwicklungshelfern verbrachte er viele Jahre in Zaire, der
heutigen Demokratischen Republik Kongo, und hat es meisterhaft
verstanden, Entfremdung auf afrikanischem Boden zu beheimaten. Für
diesen Film erhielt er 2011 den Regiepreis der Internationalen
Filmfestspiele von Berlin und den Filmpreis des Festival des deutschen
Films.
Hawa Essuman: SOUL BOY
Hirokazu Kore-Eda: Still walking Still walking ist der Titel eines Liedes, das Mutter Yokoyama so liebt. Der Sohn legt die Platte auf, und sie singt mit. Es ist ein heißer Tag im Haus an der Küste, die Yokoyamas sind alt geworden, doch heute, am Todestag des vor 15 Jahren ertrunkenen ältesten Sohnes, trifft sich die Familie, um an das Grab zu gehen und seiner zu gedenken. Er starb im nahe gelegenen Meer, als er einem anderen Jungen das Leben rettete. Auch dieser, mittlerweile zu einem übergewichtigen Erwachsenen geworden, taucht jedes Jahr auf, um sich offiziell wieder zu bedanken. Alles vollzieht sich im typisch japanischen Stil der kleinen Rituale und Zeremonien, und zwischen den Worten, Gesten, Szenen spürt man den Groll des alten Vaters, seinen Widerwillen, die Ablehnung, mit der er die Menschen um sich bedenkt. Der jüngere Sohn kann es ihm nicht recht machen, seine Frau, eine Witwe mit Sohn, passt nicht in das Bild, das er sich von einer seriösen Existenz gemacht hat, der Beruf eines Restaurators hat für ihn, den ehemaligen Arzt, keinen Wert. Tochter und Mutter in der Küche putzen Gemüse, braten Mais, vereint in liebevoll aggressiven Plaudereien über Allerweltsthemen. Man sollte den Film mit seinen hinreißend ruhigen Bildern vom japanischen Alltag unbedingt in der Originalsprache anschauen, um die lautmalerische Eigenart genießen zu können. Unter all seinen Filmen (NOBODY KNOWS und AFTER LIFE) ist STILL WALKING vermutlich der persönlichste von Hirokazu Kore-eda (geb. 1962 in Tokio). Sein Drama Aruitemo aruitemo wurde mit dem Hauptpreis des Festival Internacional de Cine de Mar del Plata prämiert. Er schreibt dazu, dass er als Sohn, der den Verlust seiner Eltern schmerzhaft erfahren und sich oft gewünscht hat, die Zeit mit ihnen doch mehr genutzt zu haben, einen Film machen wollte, indem er seine Mutter sofort erkennen könnte, um wieder mit ihr zu lachen. Frau Yokoyama ist der Mittelpunkt eines Geschehens, in dem sich kein Drama aufbaut und keine Spannung sich laut entlädt, sondern lange poetische Einstellungen die einzelnen Details, auf dem der Blick ruhen kann, verbindet zu einem Bilderbogen von atmosphärischer Dichte. Plötzlich flattert ein Schmetterling durch den Raum, in dem sie den Verstorbenen zu erkennen meint. Ein Ausblick auf eine tiefere Dimension der Wirklichkeit tut sich auf, in der Lebende und Tote - wie so oft in japanischen Filmen und Romanen -, nebeneinander existieren. Stille breitet sich aus, nachdem die tobenden Enkel abgefahren sind. Alles scheint ewig so weiterzugehen, und doch ist die Frage, die sich dem Betrachter aufdrängt, naheliegend. Ein Film wie eine Meditation - großartig!
Andrea Arnold: Fishtank
Neil Jordan: Ondine
Shirin Neshat: Women without men
"Women Without Men", das Spielfilmdebüt der exiliranischen Künstlerin Shirin Neshat, führt zurück in die 50er Jahre. Women without Men basiert auf dem gleichnamigen, in Iran verbotenen Roman von Shahrnush Parsipur. Der Film spielt im Persien des Jahres 1953, als das durch die CIA unterstützte Militär den demokratisch gewählten Premierminister Mohammed Mossadegh aus dem Amt putschte und dem Schah zur Macht verhalf. In einigen Kritiken wird dem Film angelastet, er habe eine Idylle schaffen wollen, indem er einen verwunschenen Garten gleich einem Paradies zum Ort des Rückzugs machte und die Figur eines gütigen Gärtners einführte. Die Künstlerin erklärt im Interview: In persischen Gedichten ist der Garten, der Park, ein Ort der spirituellen Ruhe, der Transzendenz. Ein Ort der Zuflucht, der Freiheit.. "Tooba" ist ein Baum im Paradies, ein weiblicher Baum. Dieser Ort ist die Welt unserer Gedanken, ein mystischer Raum, den wir uns selbst erschaffen. Wenn man ihn wie meine Filmheldinnen aufsucht, kann man ein Gefühl der Freiheit erleben. Teheran bleibt in "Women Without Men" hingegen die Außenwelt. Zunächst sieht man gar nicht, dass der Garten eine Mauer hat, er scheint unbegrenzt. Wenn sich am Ende die Tore öffnen und nicht klar ist, ob es die Armee ist, die sich Eintritt verschaffen will, dann kann man diesen Moment auch wie eine Vergewaltigung erleben. Denn der Garten hat seine ganz eigene Körperlichkeit.... ...es ist ein Paradies, in dem ein von allem abgelöster Zustand der Unschuld herrscht.. .... In den Iran wurde der Islam von den Arabern gebracht, er ist nicht unsere ursprüngliche Religion. Wir wurden gezwungen zu glauben, haben dabei aber einen mystischen Islam erschaffen, der offen für Sufismus, Poesie und Philosophie war. Von dieser Traditionslinie handeln meine Arbeiten." Der Künstlerin gelingt es,
durch ihre suggestiven Bilder eine Welt in der Schwebe zu zeigen und
eine Geschichte gleich einem Mandala kreisförmig anzuordnen, statt sie
chronologisch verlaufen zu lassen. Im Zentrum ist der magische Ort der
Zuflucht, an der Peripherie das Geschehen, das zur Geschichte wird.
Mitten in dem Lärm der Demonstrationen tritt Stille ein, die Stimme der
politische Aktivistin sagt zu sich selbst: Der Große Wille, der alles
bewegt, ist zu mir zurück gekehrt... |
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regie: ferzan
ozpetek, darsteller: riccardo scamarcio, nicole grimaudo,alessandro preziosi, drehuch: ferzan ozpetek, ivan cotroneo, drehjahr: 2010 deutscher titel: männer al dente original titel: mine vaganti |
Ferzan Ozpetek: Mine Vaganti (Männer al dente)
Ethan
und Joel Coen: A
Serious Man
(USA 2009)
Im
Vorfeld wird eine typische Geschichte des Ostjudentums im 19.
Jahrhundert erzählt: Einem Mann, dem auf dem Weg nach Hause die Kutsche
im Dreck stecken bleibt, wird von einem Fremden geholfen, der , nach
seinem Namen gefragt, sich als Rabbi zu erkennen gibt.
Die Frau des Mannes, der
ihr dies erzählt, meint zu wissen, dass dieser Rabbi schon verstorben
ist und nur ein Dibbuk, ein böser Geist sein kann. Und schon klopft es
an der Tür, der Fremde, den der Mann als Dank zu sich nach Hause
eingeladen hat, tritt ein. Der
Mann beugt sich wortreich der geistigen Autorität, die Frau sticht mit
einem Werkzeug kurzentschlossen zu, so dass sich auf der Brust eine
Blutlache bildet – bestes Zeichen, dass der Mann lebendig war und nun
sterbend aus dem Haus seiner Gastgeber wankt, hinein in den Schneesturm,
in dem er verschwindet. Die Parabel ähnelt jenen chassidischen Geschichten, wie sie Martin Buber gesammelt hat und ist der Schlüssel zum Verständnis der folgenden Geschichte, die in einem amerikanischen Vorort der späten Sechziger Jahre spielt. Zahllose Wer den Fokus nicht auf das Thema gerichtet hält, verliert bald den Faden, denn all das Pech, das über den Hauptprotagonisten Larry (Michael Stuhlbarg) herein bricht, zieht unübersichtliche Verwicklungen nach sich, was zu weiteren Geschichten Anlass gibt. Larry verzweifelt, alle raten ihm, Hilfe zu suchen, und das tut er, indem er zu den alten Rabbis der Gemeinde geht. Die Figur des Rabbis als wortkarger Ratgeber und weitschweifiger Geschichtenerzähler ist aus vielen jüdischen Witzen eingeführt. Im Setting des amerikanischen Alltags erhält er eine neue Bedeutung: er ist der menschgewordene Vertreter eines Nichtwissens angesichts der verschlungenen Wege Gottes, der einerseits Zeichen gibt, andrerseits sie nicht erklärt. Die durchgängige Frage ist da die nach Hilfe: woher kommt sie, durch wen und wie? Die Antwort lautet: Man kann es nicht wissen. Am besten man hilft sich selbst, und es kann nicht schaden, anderen helfen zu wollen. Aber es löst keine Rätsel. Rätsel sind dazu da, um mit ihnen zu leben. Für Larry, dem Mathematiklehrer, ist die mit Formel vollgekritzelte Schultafel eine Landkarte der Wahrscheinlichkeiten. Die Liebe und Begabung für Mathematik scheint in der Familie zu liegen: der Bruder ist ein Genie, seine Formeln trägt er in ein Büchlein ein, die Larry eines Nachts findet und durchblättert. Das ist für mich eine der schönsten Szenen, ebenso aber auch die Bar Mitzwa Feier des Sohnes Danny, der die heiligen Texte intonieren muss, um in die Gemeinschaft der Männer aufgenommen zu werden. Das Gesicht ist gezeichnet von verträumter Ratlosigkeit, und all die Bürde, die auf dem jungen Mann liegt, wird nachvollziehbar. Das Schlussbild zeigt einen herannahenden Tornado, vor dem die Schüler der jüdischen Schule in Sicherheit gebracht werden soll, und einem alten Hausmeister, der den Schlüssel viel zu langsam ins Schlüsselloch einführt. Ich ging tief bewegt aus dem Film wie seit langem nicht mehr.
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