Film-Tipps aktualisiert am 9.11.2011 

   

Another Earth
Ohne es zu wissen, hat Mike Cahill mit seinem Spielfilmdebüt einen Gegenentwurf zu Lars von Triers' "Melancholia" geschaffen. Am Himmel erscheint eine zweite Erde, die mit der ersten identisch zu sein scheint. Es gibt eine Rahmengeschichte, die die Möglichkeiten von Schuld und Sühne durchspielt und den Science- Fiction- Hintergrund lediglich als Projektionsfläche benutzt. Das Beste sind die Bilder, die zur Endzeitstimmung gut passen. Ende oder Anfang?

Der 

Der Film "Melancholia" feierte im Mai 2011 bei den 64. Filmfestspielen von Cannes Premiere seine Premiere. Bei der begleitenden Pressekonferenz kam es zu einem Skandal, als Lars von Trier sagte, er könne sich in Adolf Hitler einfühlen und verstehe die innere Logik seines Handelns. In der Folge wurde Lars von Trier als unerwünscht erklärt. Der Film blieb jedoch im Wettbewerb, und Kirsten Dunst erhielt für ihre Rolle mit Recht als Justine die Silberne Palme für ihre grandiose Darstellung der Melancholikerin. Der Film ist großartig! Anfangs zeigen Trier und sein Kameramann Manuel Alberto Claro einen Reigen aus atemberaubenden Tableaux, darunter auch ein Gemälde von Breughel, die einen Totentanz anstimmen, unterlegt mit dem Prélude aus Wagners "Tristan und Isolde". Man sieht zum ersten Mal den Himmel, in dem zwei Monde gleichzeitig scheinen, und auch das Bild von Justine, einer modernen Cassandra, wie sie von dichten, grauen Wollfäden gefesselt ist und sich nicht fortbewegen kann, man sieht Pferde, die im Morast verenden.  Die Bedrohlichkeit des Weltuntergangs überträgt sich später immer mehr akustisch, ab dem letzten Drittel hört man im Hintergrund konstant ein nervöses Pferdewiehern und ein diffuses Wummern verstärkt sich bis zum letzten orgiastischen Augenblick, in dem die Erde von Melancholia überwältigt wird. Nur Justine weiß, was was zu tun ist: Für das erst neugierige und dann ängstliche Kind baut die Tante eine "magische Höhle", in deren improvisierten Gestänge die zwei Schwestern und der Junge, sich an den Händen fassen - der Mann hat sich schon umgebracht. Sicher - eine apokalyptische Vision, aber auch ein Hinweis, wie Humanismus im Anblick des Untergangs gelebt werden kann. Es gäbe auch noch eine andere Sichtweise, die ich bei keiner der (eher ratlosen) Filmrezension erwähnt fand: Der Planet Melancholia steht als Metapher für einen symptomatischen Ich-Zustand, der den ganzen Bewusstseinshorizont einnimmt, so wie der sich annähernde Planet mit seinen der Erde so ähnlichen Blau- und Weißtönen den ganzen Himmel ausfüllt. In der Geste der "Versammlung" angesichts eines verängstigten, allein gelassenen Kindes in der "magischen Höhle" wird die menschliche Fähigkeit zu Verbundenheit und Beziehungskultur exemplifiziert, so dass dieser letzter Eindruck den Lärm des Zusammenbruchs überdauert und einen wesentlichen Akzent im Film setzt. 

 
Aufmerksam geworden durch Kirsten Lund in Melancholia bestellte ich mir diesen Film unter der Regie von Sofia Coppola (Lost in Translation) als DVD und war positiv überrascht von einem meisterlichen Gesamtkunstwerk nach der literarischen Vorlage von Antonia Fraser. Der moderne Soundtrack überzeugt ebenso wie die opulente Ausstattung das Auge erfreut. Die Darstellung der historischen Figur in einer Hip und Pop Interpretation mag nicht jedermanns Sache sein, war aber für meinen Geschmack absolut gelungen. Die tiefe Entfremdung, die Kirsten Lund als kindlich verspielte, zunächst lebenslustige, mit 14 Jahre in die Fremde verheiratete Tochter Maria Theresias ausstrahlt, spiegelt die Dekadenz und Orientierungslosigkeit einer ganzen Epoche wieder.  Unbedingt ansehen!

Tran Anh Hung: NORUWEI NO MORI - NORWEGIAN WOOD (Naokos Lächeln)

,Japan 2010, nach dem gleichnamigen Roman von Haruki Murakami. Kamera: Mark Li Ping Bing. Musik: Jonny Greenwood. Mit: Kenichi Matsuyama, Rinko Kikuchi, Kiko Mizuhara, Reika Kirishima.

Irgendwann fällt der Satz im Off: "Ich habe mich für das Leben entschieden", und sogleich ist der Bann der absoluten Sinnlosigkeit ist gebrochen, vorbei der elegische Zauber aussichtsloser Tragik. Doch die eindrucksvollen Bilder bleiben im Gedächtnis haften, zusammen mit der meisterhaft komponierten Filmmusik zu einem Kunstwerk verflochten, Bilder von einzigartiger Schönheit, Gefühlsgestalten wie zu Eis gefroren. Es gibt einen anderen Schlüsselsatz, gleich zu Anfang, der das in einzelne Szenen zerfallende Kaleidoskop jugendlicher Liebe wie eine Klammer umfasst: Demonstrierende Studenten dringen in die Uni ein und stören eine Vorlesung über Euripides mit der Begründung, es gäbe wichtigere Probleme als die der griechischen Tragödie, was der Professor bezweifelt, aber dennoch kopfschüttelnd sein Pult frei macht. Norwegian Wood ist ein melancholischer Beatles Song, der mit der Zeile beginnt:  I once had a girl, or should I say, she once had me?. Wie so oft in der japanischen Literatur herrscht ein fatalistischer Unteron der Besessenheit vor, der vor allem in den erotischen Szenen eine unübertroffenen Intensität erzeugt. Der in Paris lebende Vietnamese Tran Anh Hung (Der Duft der grünen Papayas 1993) kreiert außergewöhnlich sinnliche Szenen, die sich in Bildern verdichten und eine Stimmung der Zeitlosigkeit schaffen.  Dies ist  vor allem auch dem taiwanesischen Kameramann Mark Lee Ping Bin zu verdanken, der zusammen mit Christopher Doyle die Bilder von Wong Kar Weis In the Mood for Love gedreht hat. Hinzu kommt die Musik von Johnny Greenwood, der unter anderem die Musik für There Will Be Blood komponiert hat. Greenwood findet eine Klangsprache, die nicht einfach zu den Bildern addiert wird, sondern sie ergänzt, erweitert, so dass ein Gesamtkunstwerk entsteht. Vor allem die Szenen in den verschneiten Bergen nahe des Sanatoriums, eine japanische Variante des  Zauberbergs, und später bei den Felsenhöhlen  am tosenden Meer, in denen der Protagonist seine tiefste Verzweiflung durchlebt, sind von unübertroffener Eindringlichkeit. 

 

Es dominieren müde Grün- und Brauntöne, die Dunkelheit signalisiert unbekannte Gefahren, auftauchende Lichter könnten alles mögliche bedeuten. Gleich von Anfang an baut sich eine düstere Atmosphäre auf. Meisterhaft versteht es der Sound (Julien Sicart), dort Spannung zu schaffen, wo nichts zu sehen ist. Auf einer Straße donnern Laster vorbei, einer nach dem anderen, jeder für sich ein Ereignis. Sie transportieren Tropenholz zum Hafen. Auf der Straße nach der Hauptstadt Kameruns, Yaounde, sind das Ehepaar Velten mit der Tochter Helen im Auto unterwegs. Sie werden von einer Straßensperre aufgehalten. Die Tochter hat kein Visum vorzuweisen, die Polizisten schlagen Tauschgeschäfte vor.  Ebbo Velten (Pierre Bokma) kennt das, er lebt hier schon lange als Arzt und ist verantwortlich für ein Projekt zur Eindämmung der Schlafkrankheit, das mit den Mitteln der Entwicklungshilfe unterstützt wird. Obwohl er in seiner Arbeit aufgeht, möchte seine Frau Vera (Jenny Schily), nach Jahren in Afrika zurück nach Deutschland, wo ihre 14-jährige Tochter zur Schule geht. Zwar scheint der Abschied beschlossene Sache, auch wenn der dubiose Geschäftsmann Gaspard Signac (Hippolyte Girardot), Ebbo dazu überreden will, hier zu bleiben, um ein gemeinsames Tourismus- Projekt zu starten, doch die Bilder und Töne sprechen eine andere Sprache. Ebbo ist mit dem Land verbunden, er liebt den Fluss, er erzählt seltsame Geschichten in denen sich Menschen in Tiere verwandeln, was unter Ethnologen unter dem Begriff der Metamorphose bekannt ist,  und man ahnt, dass die Rückkehr nicht glatt ablaufen kann. Dann kommt ein Schnitt, eine Schwarzblende, als wäre der Film zu Ende. Aber nein. Drei Jahre später: Alex Nzila (Jean-Christophe Folly), reist ein junger französischer Arzt mit kongolesischen Wurzeln, im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation nach Yaoundé, um das Schlafkrankheit-Projekt eines gewissen Dr. Velten zu evaluieren. Dort angekommen, verliert er sich in unüberschaubaren Verhältnissen. In dem Spital liegt genau ein Schlafkranhkeit-Patient, von Dr. Velten ist keine Spur, sein Assistenzarzt vertröstet ihn auf den nächsten Tag, auch dann findet sich dieser nicht im Spital ein, und Alex wird mit der Aufgabe konfrontiert,  bei einer hochschwangeren jungen Einheimischen, deren Wehen eben eingesetzt haben, einen Kaiserschnitt vorzunehmen. Es ist das Kind, das Velten mit seiner afrikanischen Geliebten gezeugt hat - Velten erscheint als Opfer afrikanischer Familienbündnisse, er muss für alle aufkommen, sie finanzieren, er braucht Geld, und er ist es Leid, all das.... In der Schlussszene kommt es zum rätselhaften Verschwinden des Mannes, an dessen Stelle ein Nashorn aus dem Dschungel tritt. Auch hier entscheidet vor allem die Gestaltung des Tons darüber, dass der Film, mit 91 Minuten keine Sekunde zu lang, mit seinem offenen Ende einen bleibenden Eindruck hinterlässt. 

Ulrich Köhler, geb. 1969, studierte Kunst in Quimper und Philosophie in Hamburg und dann dort Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Bildende Künste. Bekannt wurde er mit seinem zweiten Langfilm "Montags kommen die Fenster" im Rahmen der Berlinale 2006. Als Kind von Entwicklungshelfern verbrachte er viele Jahre in Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, und hat es meisterhaft verstanden, Entfremdung auf afrikanischem Boden zu beheimaten. Für diesen Film erhielt er 2011 den Regiepreis der Internationalen Filmfestspiele von Berlin und den Filmpreis des Festival des deutschen Films. 
Zu Recht.

 

 

 

 

 


Patricio Guzman: Nostalgia de la luz
Dieser Dokumentarfilm besticht durch die Poesie der Bilder, der Worte: Menschen erzählen von ihrer Liebe zur Astronomie, zur Archäologie, von ihrem Wissensdurst, die Ursprünge der Menschheit der Erde, der Galaxien zu erforschen, und von ihrem unbeirrbarem Willen, Jahre nach der Diktatur noch sterbliche Reste der Opfer zu finden, um trauern zu können; in der unendlichen Weite der Atacama Wüste im Norden Chiles, dem trockensten Ort auf der Erde überhaupt, sind sechs international betriebene Observatorien auf der Suche nach dem Licht der Sterne, die hier zum Greifen nah erscheinen, Archäologen finden mumifizierte Körper der Nomaden, die hier vor langer Zeit hindurchzogen. Frauen wandern über die von Salzkrusten überzogene Ebene, graben mit Schaufeln oder bloßen Händen, in der Hoffnung, Teile der verschwundenen Körper identifizieren zu können. Hier war ursprünglich ein Bergwerk, das als Lager genutzt wurde, ein Überlebender berichtet, wie er sich die Maße des Baus einprägen konnte, um später davon Zeugnis zu geben.   
Chile hat seine jüngste Vergangenheit nicht bewältigt, in der Großstadt geht das Leben einfach weiter, die Zeugen sterben aus. Dieser Film ist eine besonders gelungene Art, die Erinnerung wach zu halten. 

        
Die Bilder von den Weiten des Firmaments im Kontrast zu den Menschen, die zu Stilleben gefrorenen Eindrücke häuslicher Idyllen (eine Kindheit vor Pinochet) oder altertümlicher Technik (das deutsche Fernrohr aus Kaisers Zeiten funktioniert noch immer) prägen sich tief ein stellvertretend für alle Bilder, die in dieser Schöpfung enthalten sind. Man glaubt das Echo des Big Bang zu hören, alles ist Vergangenheit, auch der Moment, der eben noch das Jetzt war, der junge Wissenschaftler philosophiert, der Regisseur nimmt die Äußerungen der Einzelnen Ernst, gibt ihnen die Gelegenheit, auch in der Stille der Pausen sich auszudrücken. Dadurch erhält der Film eine epische Größe. Leider gibt es noch keine DVD Aufzeichnung, und der Film spielte im kleinsten Kino Münchens, das allerdings brechend voll und seit Tagen ausverkauft war. 
Unbedingt anschauen!   
 

Hawa Essuman: SOUL BOY

 Hier, angekommen im Happy End und im sonntäglichen Gottesdienst, schaut Shiku erleichtert zurück zu ihrem neuen Freund Abila, der all die Prüfungen bestanden hat, die er im Auftrag der Geisterfrau Nyawawa bestehen musste, um die Seele seines Vaters wieder zurück zu bringen.  Eigentlich glaubt Abila selbst nicht an das Hexenwesen, aber mit Unterstützung von Shiku bringt er es hinter sich und verbindet so den Alltag im Slum mit der Welt des Aberglaubens und der Hexerei, wie sie in Afrika immer noch lebendig ist. Shiku kennt das Schicksal der Hexe, die einst ihre Nanny war - sie wurde von ihrem Geliebten verlassen, hasst seitdem die Männer und zielt ab auf ihre schwache Stelle, ihren Schatten, um sie zu verderben. So ist sie auch mit Abilas Vater umgegangen, der eines Tages nicht mehr sein Geschäft öffnen will und betrunken in der Ecke liegt.  Wir befinden uns im kenianischen Kibera, dem größten und ärmsten Slum Afrikas, im Südwesten Nairobis. Der Name leitet sich ab vom nubischen "kibra" = Wald, Dschungel, ursprünglich eine Waldsiedlung am Stadtrand; Die Musik, die über den Wellblechdächern schwebt wie ein Perlenvorhang, erinnert im Entfernten an ein Gamelan-Orchester Balis, beschwört dieselbe geheimnisvolle Stimmung undurchschaubarer Zeremonien. Großartig auch die Photografie, die den Zauber bunt bemalter Flächen einfängt und durch den Hell-Dunkel-Kontrast die dunkle Enge in den Hütten beschwört; unglaublich dicht und intensiv die Szene, in dem die Geisterfrau sich zeigt....das alles erinnert mich an eine gelungene Voodoo-Ausstellung im Burgenland, mit all den naschgebauten engen Gängen lehmverputzter Wände, die zu leben scheinen, nach dir greifen... Produziert und supervidiert wurde der Film von Tom Tykwer und Maria Steinmann; „Soul Boy“ ist aus einem Filmworkshop entstanden, den der deutsche Regisseur Tom Tykwer mit weiteren Enthusiasten vor Ort in Kibera veranstaltet hat. Die Idee dabei war, junge Talente der Umgebung mit einem kleinen professionellen Team aus Deutschland dabei zu unterstützen, einen „richtigen“ Film zu machen und sich auf diese Weise sowohl im Erzählen der eigenen Geschichten als auch im Filmberuf zu üben. Entstanden ist ein wunderbares Schauspiel, indem das Leben als Märchen auf der Laien-Bühne durchgespielt werden kann  und zu neuen Lösungen führt. Ein großes Bravo! 

Hirokazu Kore-Eda: Still walking

Still walking ist der Titel eines Liedes, das Mutter Yokoyama so liebt. Der Sohn legt die Platte auf, und sie singt mit. Es ist ein heißer Tag im Haus an der Küste, die Yokoyamas sind alt geworden, doch heute, am Todestag des vor 15 Jahren ertrunkenen ältesten Sohnes, trifft sich die Familie, um an das Grab zu gehen und seiner zu gedenken. Er starb im nahe gelegenen Meer, als er einem anderen Jungen das Leben rettete. Auch dieser, mittlerweile zu einem übergewichtigen Erwachsenen geworden, taucht jedes Jahr auf, um sich offiziell wieder zu bedanken. Alles vollzieht sich im typisch japanischen Stil der kleinen Rituale und Zeremonien, und zwischen den Worten, Gesten, Szenen spürt man den Groll des alten Vaters, seinen Widerwillen, die Ablehnung, mit der er die Menschen  um sich bedenkt. Der jüngere Sohn kann es ihm nicht recht machen, seine Frau, eine Witwe mit Sohn, passt nicht in das Bild, das er sich von einer seriösen Existenz gemacht hat, der Beruf eines Restaurators hat für ihn, den ehemaligen Arzt, keinen Wert. Tochter und Mutter in der Küche putzen Gemüse, braten Mais, vereint in liebevoll aggressiven Plaudereien über Allerweltsthemen. Man sollte den Film mit seinen hinreißend ruhigen Bildern vom japanischen Alltag unbedingt in der Originalsprache anschauen, um die lautmalerische Eigenart genießen zu können. Unter all seinen Filmen (NOBODY KNOWS und AFTER LIFE) ist STILL WALKING vermutlich der persönlichste von Hirokazu Kore-eda (geb. 1962 in Tokio). Sein Drama Aruitemo aruitemo wurde mit dem Hauptpreis des Festival Internacional de Cine de Mar del Plata prämiert. Er schreibt dazu, dass er als Sohn, der den Verlust seiner Eltern schmerzhaft erfahren und sich oft gewünscht hat, die Zeit mit ihnen doch mehr genutzt zu haben, einen Film machen  wollte, indem er seine Mutter sofort erkennen könnte, um wieder mit ihr zu lachen. Frau Yokoyama ist der Mittelpunkt eines Geschehens, in dem sich kein Drama aufbaut und keine Spannung sich laut entlädt, sondern lange poetische Einstellungen die einzelnen Details, auf dem der Blick ruhen kann, verbindet zu einem Bilderbogen von atmosphärischer Dichte. Plötzlich flattert ein Schmetterling durch den Raum, in dem sie den Verstorbenen zu erkennen meint. Ein Ausblick auf eine tiefere Dimension der Wirklichkeit tut sich auf, in der Lebende und Tote - wie so oft in japanischen Filmen und Romanen -, nebeneinander existieren. Stille breitet sich aus, nachdem die tobenden Enkel abgefahren sind. Alles scheint ewig so weiterzugehen, und doch ist die Frage, die sich dem Betrachter aufdrängt, naheliegend. Ein Film wie eine Meditation - großartig! 

   

Andrea Arnold: Fishtank


 Regisseurin Andrea Arnold ist bekannt für ihre Themenwahl aus den
Randzonen der englischen Klassengesellschaft, den sozialen Brandherden, wo Armut und Arbeitslosigkeit herrschen. Der Film scheint zunächst vom Kitchen-Sink-Realismus der britischen Nachkriegsjahre geprägt. Nach ihrem mit dem Oscar ausgezeichneten Kurzfilm Wasp und dem stillen Überwachungskamera-Rachethriller Red Road, ist ihr neuestes Werk, Gewinner des Jury-Preises von Cannes 2010,  jetzt auch bei uns zu sehen – am besten im englischen Dialekt mit Untertiteln. Ort des Geschehens ist Essex, eine Vorstadt im Nordosten von London, in dem die Plattensiedlungen der Housing  Estates des Social Welfare überwiegen und doch, oder gerade deshalb, mit ihren heruntergekommenen Betonwüsten im industriellen Brachland auf ihre Weise faszinieren. Die  durch poetische Bilder und aufregende Hintergrundgeräusche geschärfte Wahrnehmung schafft es, sich den Impressionen zu überlassen ohne zu werten – Die Poesie versöhnt mit einem Realismus, der dazu zwingt, genau hinzuschauen.  

Im Mittelpunkt steht ein Teenager: Die Jungdarstellerin Katie Jarvis überzeugt durchweg als unverstandene Jugendliche Mia. Frisch von der Straße weggecastet, wo die Regisseurin sie in einem Streit mit ihrem Freund in der Öffentlichkeit erlebt,  wurde ihre mitreißende Darstellung schon mehrfach prämiert: So hat sie bei mehreren Festivals (z.B. beim Edinburgh International Film Festival) den Preis für die beste Newcomerin gewonnen. Wunderbar sind die Filmsequenzen, in denen sie ihre wilde, ungebrochene  Bewegungsfreude ausspielen darf. Der Tanz hat entscheidende Bedeutung in dieser Welt, die von Sprachlosigkeit gekennzeichnet ist. Tanz als Selbstdarstellung, als Selbsterotisierung, Tanz als Mittel der Transformation und Befreiung: Die Tanzszene am Schluss gehört zu dem Schönsten, was man im Kino unter der Rubrik der Tanzfilme zu sehen bekommt: Mia geht von zu Hause weg, die Tasche ist gepackt, im Wohnzimmer tanzt die alkoholisierte Mutter (unübertroffen aufreizend: Kierston Wareing) einen müden sinnlichen Tanz vor sich hin zur Musik im Stil des street dance aus dem Radio, sie nimmt kaum wahr, dass ihre Tochter sie verlassen wird, oder doch? Vielleicht ist sie erleichtert. Mia durchbricht die Barriere des Schweigens und stellt sich der Mutter gegenüber, reiht sich ein in den Tanz, die kleine Schwester, sehr überzeugend und locker von der 12jährigen Rebecca Griffiths gespielt,  schließt sich bald an, und so kommt es zu einem flüchtigen Ausdruck familiären Bindung, und sei sie noch so wenig bewusst gemacht, geschweige denn gestaltet. Aus diesem Film geht man verzaubert heraus und mag sich nicht mehr mit den glatten Wirklichkeitskonstruktionen der Mainstream-Filme abspeisen lassen.

Neil Jordan: Ondine
Wer Irland liebt, wird gleich nachschauen, wo die Beara-Halbinsel liegt und sich auf den Weg machen, denn von dort stammen die  dunkel mystischen Bilder in Grau und Grün, die Kameramann Christopher Doyle eingefangen hat.  Regisseur Neil Jordan, selbst Ire, setzt hier auf den Charme der Märchen, die in Irland immer noch zur Wirklichkeit gehören.  Mühelos gelingt es ihm, die Fäden zwischen dem Alltag und einer Welt, in der Wünsche wahr werden, zu verknüpfen. Hauptdarsteller Colin Farell gibt sich schroff und kantig wie die Gegend, in der er lebt, der Film bleibt nah dran an dem rauen Arbeitsalltag der Fischer, Alkoholismus und zerrüttete Familienverhältnisse eingeschlossen. Dass Ondine (Alicja Bachleda-Curus) , die dem Fischer eines Tages ins Netz geht und von dessen Tochter als zauberkräftige Selkie (Robbenfrau) bewundert wird, Mode vom Feinsten vorführt und darin auch noch schwimmt und taucht, beeinträchtigt den Genuss des Zuschauers keineswegs, im Gegenteil. Die Dialoge sind knapp und gut platziert, ergehen sich in Andeutungen und trockenem Witz - vor allem im Beichtstuhl mit Stephen Rea als Ortspfarrer. Kjartan Sveinssons Filmmusik mit versonnen schleppendem Gitarrengeklimper allerdings nervt total, und die Lieder der isländischen Gruppe "Sigur Ros" bedienen das Klischee nordischer Naturromantik. Ansonsten: einfach zum Träumen schön!

   

 Shirin Neshat: Women without men 

 

"Women Without Men", das Spielfilmdebüt der exiliranischen Künstlerin Shirin Neshat, führt zurück in die 50er Jahre. Women without Men basiert auf dem gleichnamigen, in Iran verbotenen Roman von Shahrnush Parsipur. Der Film spielt im Persien des Jahres 1953, als das durch die CIA unterstützte Militär den demokratisch gewählten Premierminister Mohammed Mossadegh aus dem Amt putschte und dem Schah zur Macht verhalf. 

In einigen Kritiken wird dem Film angelastet, er habe eine Idylle schaffen wollen, indem er einen verwunschenen Garten gleich einem Paradies zum Ort des Rückzugs machte und die Figur eines gütigen Gärtners einführte. Die Künstlerin erklärt im Interview: In persischen Gedichten ist der Garten, der Park, ein Ort der spirituellen Ruhe, der Transzendenz. Ein Ort der Zuflucht, der Freiheit..  "Tooba" ist ein Baum im Paradies, ein weiblicher Baum. Dieser Ort ist die Welt unserer Gedanken, ein mystischer Raum, den wir uns selbst erschaffen. Wenn man ihn wie meine Filmheldinnen aufsucht, kann man ein Gefühl der Freiheit erleben. Teheran bleibt in "Women Without Men" hingegen die Außenwelt. Zunächst sieht man gar nicht, dass der Garten eine Mauer hat, er scheint unbegrenzt. Wenn sich am Ende die Tore öffnen und nicht klar ist, ob es die Armee ist, die sich Eintritt verschaffen will, dann kann man diesen Moment auch wie eine Vergewaltigung erleben. Denn der Garten hat seine ganz eigene Körperlichkeit....    ...es ist ein Paradies, in dem ein von allem abgelöster Zustand der Unschuld herrscht.. .... In den Iran wurde der Islam von den Arabern gebracht, er ist nicht unsere ursprüngliche Religion. Wir wurden gezwungen zu glauben, haben dabei aber einen mystischen Islam erschaffen, der offen für Sufismus, Poesie und Philosophie war. Von dieser Traditionslinie handeln meine Arbeiten." 

Der Künstlerin gelingt es, durch ihre suggestiven Bilder eine Welt in der Schwebe zu zeigen und eine Geschichte gleich einem Mandala kreisförmig anzuordnen, statt sie chronologisch verlaufen zu lassen. Im Zentrum ist der magische Ort der Zuflucht, an der Peripherie das Geschehen, das zur Geschichte wird. Mitten in dem Lärm der Demonstrationen tritt Stille ein, die Stimme der politische Aktivistin sagt zu sich selbst: Der Große Wille, der alles bewegt, ist zu mir zurück gekehrt...
  

 

regie: ferzan ozpetek, 
darsteller:
riccardo scamarcio, nicole grimaudo,alessandro preziosi, 
drehuch: ferzan ozpetek, ivan cotroneo, 
drehjahr: 2010 
deutscher titel:
männer al dente 
original titel:
mine vaganti

Ferzan Ozpetek: Mine Vaganti (Männer al dente)


Eine Treibmine ist eine unverankerte Seemine, welche mit Kontaktzündern ausgestattet ist. Ungelebte Wünsche und Sehnsüchte können wie Treibminen wirken - bei Kontakt werden sie gezündet und explodieren. Insofern ist der italienische Titel besser, denn es geht hier nicht nur um das Coming-Out der Söhne eines angesehenen Pasta-Herstellers im konservativen Milieu des süditalienischen Lecce. Die Familie erhält sich, in dem sich jeder an die Regeln hält und sich dabei entweder schon verloren und aufgegeben hat oder darunter leidet. Die Verkündung am Esstisch, dass der älteste Sohn der das Geschäft übernehmen soll, schwul sei, löst einen Herzinfarkt des Vaters aus, der den zweiten Sohn nötigt, die Aufgabe des Bruders zu übernehmen. Doch der Eklat am Mittagstisch ist nur der Tropfen der das Fass zum endgültig Überlaufen bringt und einen schmerzhaften aber wichtigen Prozess des Erwachens in Gang setzt. Wenn ich den Film nacherzählen will, muss ich bei der Vorgeschichte, dem Verzicht der Großmutter auf ihre wahre Liebe, beginnen, so wie auch der Film beginnt. Der Tod dieser Großmutter und ihr Begräbnis wird alle wieder zusammen bringen, so wie ihr ungelebtes Leben sich als schwere Hypothek auf die Familie gelegt und sie entzweit hat. Ausgelöst wird der Selbstmord - die Großmutter als Diabetikerin stirbt selig umgeben von bunten Naschereien - durch das mutige Geständnis des zweiten Sohnes, Schriftsteller werden zu wollen und alle die Geschichten aufzuschreiben. Anders als in Ozpeteks erfolgreichen Filmen Das Fenster gegenüber (La finestra di fronte, 2003) und  In Ewigkeit Liebe (Saturno contro, 2007) ist Homosexualität hier ein Nebenthema, es geht um die Großfamilie und ihre Geheimnisse. Der Film  leistet dabei Aufklärungsarbeit, und das im Stil der italienischen Oper, zwischen komisch und tragisch wechselnd, voller faszinierender Bilder, die die Enge einer linearen Chronologie aufbrechen. Unbedingt anschauen!


Ethan und Joel Coen: A Serious Man (USA 2009)

Im Vorfeld wird eine typische Geschichte des Ostjudentums im 19. Jahrhundert erzählt: Einem Mann, dem auf dem Weg nach Hause die Kutsche im Dreck stecken bleibt, wird von einem Fremden geholfen, der , nach seinem Namen gefragt, sich als Rabbi zu erkennen gibt.  Die Frau des Mannes,  der ihr dies erzählt, meint zu wissen, dass dieser Rabbi schon verstorben ist und nur ein Dibbuk, ein böser Geist sein kann. Und schon klopft es an der Tür, der Fremde, den der Mann als Dank zu sich nach Hause eingeladen hat, tritt ein.  Der Mann beugt sich wortreich der geistigen Autorität, die Frau sticht mit einem Werkzeug kurzentschlossen zu, so dass sich auf der Brust eine Blutlache bildet – bestes Zeichen, dass der Mann lebendig war und nun sterbend aus dem Haus seiner Gastgeber wankt, hinein in den Schneesturm, in dem er verschwindet.

Die Parabel ähnelt jenen chassidischen Geschichten, wie sie Martin Buber gesammelt hat und ist der Schlüssel zum Verständnis der folgenden Geschichte, die in einem amerikanischen Vorort der späten Sechziger Jahre spielt. Zahllose Wer den Fokus nicht auf das Thema gerichtet hält, verliert bald den Faden, denn all das Pech, das über den Hauptprotagonisten Larry (Michael Stuhlbarg) herein bricht, zieht unübersichtliche Verwicklungen nach sich, was zu weiteren Geschichten Anlass gibt.  Larry verzweifelt, alle raten ihm, Hilfe zu suchen, und das tut er, indem er zu den alten Rabbis der Gemeinde geht. Die Figur des Rabbis als wortkarger Ratgeber und weitschweifiger Geschichtenerzähler ist aus vielen jüdischen Witzen eingeführt. Im Setting des amerikanischen Alltags erhält er eine neue Bedeutung: er ist der menschgewordene Vertreter eines Nichtwissens angesichts der verschlungenen Wege Gottes, der einerseits Zeichen gibt, andrerseits sie nicht erklärt. Die durchgängige Frage ist da die nach Hilfe: woher kommt sie, durch wen und wie?  Die Antwort lautet: Man kann es nicht wissen. Am besten man hilft sich selbst, und es kann nicht schaden, anderen helfen zu wollen. Aber es löst keine Rätsel. Rätsel sind dazu da, um mit ihnen zu leben. Für Larry, dem Mathematiklehrer, ist die mit Formel vollgekritzelte Schultafel eine Landkarte der Wahrscheinlichkeiten. Die Liebe und Begabung für Mathematik scheint in der Familie zu liegen:  der Bruder ist ein Genie, seine Formeln trägt er in ein Büchlein ein, die Larry eines Nachts findet und durchblättert. Das ist für mich eine der schönsten Szenen, ebenso aber auch die Bar Mitzwa Feier des Sohnes Danny, der die heiligen Texte intonieren muss, um in die Gemeinschaft der Männer aufgenommen zu werden. Das Gesicht ist gezeichnet von verträumter Ratlosigkeit, und all die Bürde, die auf dem jungen Mann liegt, wird nachvollziehbar. Das Schlussbild zeigt einen herannahenden Tornado, vor dem die  Schüler der jüdischen Schule in Sicherheit gebracht werden soll,  und einem alten Hausmeister, der den Schlüssel viel zu langsam ins Schlüsselloch einführt.  Ich ging tief bewegt aus dem Film wie seit langem nicht mehr. 

 



Yojiro Takita: Nokan- Die Kunst des Ausklangs
Nach der Auflösung seines Orchesters geht der Cellist Daigo Kobayashi (Masahiro Motoki) von Tokio weg zurück in den Norden Japans, woher er stammt.  Er nimmt einen Job als Reiseleiter an, wie er meint, bis er erfährt, dass es sich um die letzte Reise handelt. Die Firma ist spezialisiert auf das zeremonielle Herrichten von Leichen. Nach und nach und gegen den Widerstand seiner Frau, seiner alten Freunde wird er mit seiner Arbeit vertraut und darin perfekt, die Leiche zu wachen und zu schminken. Der Geschäftsführers Ikuei Saseki (Tsutomu Yamazaki) wird ihm zu einem wortkargen väterlichen Freund, der eigene Vater verließ ihn als er sieben war.  Schließlich kehrt seine Frau, die zurück zu ihrer Familie gegangen ist, in der Hoffnung, er würde eine andere Arbeit aufnehmen, schwanger zu ihm zurück, da erreicht ihn die Nachricht von dem Tod des verschollenen Vaters, und nun kann auch sie erleben, wie wertvoll und richtig es ist, was ihr Mann tut. Der Film mit seinen anrührenden Szenen wird von einer neuklassischen Musik mit Cello Klängen unterstützt, manchmal gibt es auch etwas zu Schmunzeln und unterbricht wohltuend die Rührung, die das Publikum erfasst. 

Die Idee, einen Film über den Umgang mit dem Tod zu machen, kam von Masahiro Motoki, dem Hauptdarsteller des Filmes, selbst. Während einer Reise in Indien sah er, wie der Tod dort viel selbstverständlicher zum Alltag gehört als in seiner Heimat Japan. Fasziniert von der Beziehung zwischen Leben und Tod, regte ihn das Buch eines buddhistischen Bestatters endgültig dazu an, das Thema in einem Film zu verarbeiten. Die stilisierte Zeremonie des Aufbahrens, die in Anwesenheit der Trauernden vollzogen wird, ist das Leitmotiv des Films. In langsamen Gesten erfahren Familienangehörige und Zuschauer eine würdevolle Transformation, die die Zeichen des Lebens und des Todes beheben. Immer wieder sieht Daigo während des Aufbahrens, wie wichtig das Ritual für die Bewältigung der Trauer der Hinterbliebenen ist und wird sich seiner Rolle als Medium zwischen Lebenden und Toten bewusst. Dass Daigos Berufswahl persönliche Probleme und Unannehmlichkeiten mitbringt, ist aber nicht nur auf den Ekel zurückzuführen, der sich mit seiner Tätigkeit verbindet,  mit der sich Daigo sich freiwillig in eine seit Jahrhunderten bestehende untere Kaste: der burakumin begibt. Dieser Kaste ist es vorbehalten, sich um Leichen und Kadaver zu kümmern, weshalb sie als unrein gelten. Der Film lässt sich Zeit, in langen stillen Passagen die rituellen Handlungen zu begleiten. Nach dem Verlassen des Kinos bleibt der Eindruck selbst auf einer langen Reise gewesen zu sein. Und etwas vom Schrecken des Sterbens ist weg genommen worden. 


Claudia Llosa: Eine Perle Ewigkeit
 Der Film erzählt die Geschichte von Fausta (Magaly Solier), einer jungen Frau, deren schwangere Mutter während des peruanischen Bürgerkrieges vergewaltigt wurde. Nach dem Glauben vieler Peruaner pflanzt sich mit der Vergewaltigung auch das Trauma in die nächste Generation fort und wird den Kindern mit der Muttermilch, eben jener "Milch des Kummers", weitergegeben. Diese Kinder leiden unter verschiedensten Beschwerden, die sich mit der normalen Schulmedizin nicht erklären lassen. Auch Fausta weist eine solche Abnormität auf: Wenn sie sich aufregt, bekommt sie Nasenbluten und wird nicht selten ohnmächtig. Der Arzt aber, der sie untersucht, stellt noch etwas viel Erstaunlicheres fest: Aus Angst vor einer Vergewaltigung, die ihr selbst widerfahren könnte, hat Fausta eine Kartoffel als biologischen Schutzschild in ihrer Vagina platziert. Es ist vollkommen klar: Die Angst ist ihr ständiger Begleiter. Und alleine die Lieder, die Fausta immer wieder erfindet und singt, helfen ihr dabei, die Furcht in den Griff zu bekommen. Die Kartoffel aber treibt aus und bereitet ihr Schmerzen, schließlich entfernt sie ein Gynäkologe und weist den begleitenden Onkel auf bessere Verhütungsmittel hin. Nach vielen Enttäuschungen, die durch wunderbar karge wortlose Bilder aus den Slums in Lima umgesetzt werden, gibt es ein versöhnliches Schlussbild: Der schüchterne Gärtner der neuen Herrin Faustas, (wunderbar herb und verschlossen gespielt Susi Sànchez), eine Pianistin und Komponistin, die Fausta ihre Lieder stiehlt, macht Fausta das Geschenk einer Topfpflanze, die durch die beigelegten Früchte als Kartoffel zu erkennen ist. Die Metapher spricht für sich: Nun können die Triebe ins Offene Freie wachsen und als Zeichen einer bejahten Fruchtbarkeit aufblühen. Der Film besticht durch die Aussparungen im Dialog, durch die Macht der Bilder – unbedingt anschauen!